Nebenwirkungen der PSMA Therapie

Die PSMA Therapie gilt insgesamt als gezielte und häufig gut verträgliche Behandlungsform bei fortgeschrittenem Prostatakrebs. Dennoch handelt es sich um eine wirksame systemische Therapie, die – wie jede medizinische Behandlung – Nebenwirkungen verursachen kann.

Art und Ausprägung möglicher Begleiterscheinungen sind individuell unterschiedlich. Sie hängen unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, vom Ausmaß der Erkrankung und von bereits durchgeführten Therapien ab.

Wichtig ist die klare Einordnung: Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend und werden im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen frühzeitig erkannt. Der Ablauf der Behandlung und die engmaschige Überwachung sind unter Ablauf der PSMA Therapie ausführlich beschrieben.

Auf dieser Seite finden Sie eine strukturierte Übersicht über häufige und seltene Nebenwirkungen der PSMA-Therapie sowie deren medizinische Einordnung.

In grünen 3D-Buchstaben auf einer weißen Wand stehen "Nuklearmedizin" und ähnliche Begriffe, die auf eine nuklearmedizinische Abteilung hinweisen.
Autoren
Dr. Marcus Hacker
Dr. Marcus Hacker
Facharzt für Nuklearmedizin und Innere Medizin
Dr. Markus Mitterhauser
Dr. Markus Mitterhauser
Apotheker und zertifizierter Radiopharmazeut
Dr. Werner Langsteger
Dr. Werner Langsteger
Facharzt für Nuklearmedizin und Innere Medizin
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Wie verträglich ist die PSMA Therapie insgesamt?

Die PSMA Therapie wird in klinischen Studien und in der praktischen Anwendung insgesamt als gut bis moderat verträglich beschrieben. Im Vergleich zu klassischen Chemotherapien ist das Nebenwirkungsprofil häufig gezielter und weniger unspezifisch, da die Strahlung überwiegend an PSMA-exprimierende Tumorzellen gebunden wird.

In der großen VISION-Studie (Sartor et al., NEJM 2021), die Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs untersuchte, zeigten sich zwar therapiebedingte Nebenwirkungen, schwere Komplikationen traten jedoch nur bei einem Teil der Patienten auf. Wie bei jeder systemischen Therapie ist eine individuelle Risikoabwägung entscheidend.

Wichtig ist: Die Behandlung erfolgt nicht unkontrolliert. Zwischen den einzelnen Zyklen werden regelmäßig Blutwerte und der klinische Zustand überprüft. Eine detaillierte Beschreibung dieser Überwachung findet sich unter Ablauf der PSMA Therapie.

Die Verträglichkeit hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, vom Zustand des Knochenmarks und von bereits erfolgten Vorbehandlungen. Deshalb erfolgt die Therapieplanung stets individuell und strukturiert.

Häufige Nebenwirkungen der PSMA Therapie

Die meisten Nebenwirkungen der PSMA Therapie sind mild bis moderat ausgeprägt und vorübergehend. Ihre Ausprägung kann individuell unterschiedlich sein.

Müdigkeit (Fatigue)

Eine vermehrte Müdigkeit oder verminderte Belastbarkeit zählt zu den häufigsten Begleiterscheinungen. Patienten berichten in den Tagen oder Wochen nach einem Therapiezyklus über eine meist geringe reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit.

In der Regel bessert sich diese Symptomatik wieder zwischen den Therapiezyklen. Ausreichende Erholung und eine angepasste Alltagsplanung helfen dabei, diese Phase gut zu überstehen.

Mundtrockenheit (Xerostomie)

Da sich PSMA auch in den Speicheldrüsen in geringer Menge findet, kann es zu einer vorübergehenden Mundtrockenheit kommen. Diese wird meist als mild bis moderat beschrieben.

In den meisten Fällen ist diese Symptomatik vorübergehend. Bei längerer Ausprägung können unterstützende Maßnahmen – etwa ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder Speichelersatzpräparate – hilfreich sein.

Blutbildveränderungen

Da es sich um eine systemische Radioligandentherapie handelt, kann vorübergehend auch das Knochenmark beeinflusst werden. Mögliche Veränderungen betreffen:

  • die roten Blutkörperchen (Anämie),
  • die weißen Blutkörperchen (Leukopenie),
  • die Blutplättchen (Thrombozytopenie).

Diese Veränderungen werden durch regelmäßige Laborkontrollen frühzeitig erkannt.

In den meisten Fällen sind diese Veränderungen vorübergehend und gut kontrollierbar. Schwerwiegende Blutbildveränderungen treten vergleichsweise selten auf.

Seltener auftretende Nebenwirkungen

Neben den häufigeren, meist milden Begleiterscheinungen können unter einer PSMA Therapie auch weniger häufige Nebenwirkungen auftreten. Diese sind insgesamt selten, sollten jedoch medizinisch eingeordnet werden.

Übelkeit oder Appetitminderung

In einzelnen Fällen berichten Patienten über vorübergehende Übelkeit oder eine verminderte Nahrungsaufnahme. Durch vorbeugende Medikamente am Therapietag kann dieses Risiko reduziert werden.

Vorübergehende Veränderungen der Nierenwerte

Da der radioaktiv markierte Wirkstoff überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, können bei vorbestehender Einschränkung der Nierenfunktion Veränderungen der Laborwerte auftreten. Deshalb werden die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert.

Ausgeprägtere Blutbildveränderungen

In seltenen Fällen kann es zu stärker ausgeprägten Veränderungen des Blutbildes kommen. Dies betrifft vor allem Patienten mit hoher Tumorlast oder mit bereits vorgeschädigtem Knochenmark durch frühere Therapien.

In solchen Situationen kann es erforderlich sein, Therapieintervalle anzupassen oder die Behandlung zu pausieren. Die Entscheidung erfolgt individuell und unter enger medizinischer Überwachung.

Schwere oder lebensbedrohliche Komplikationen sind insgesamt selten. Eine strukturierte Indikationsprüfung – wie unter Indikation zur PSMA Therapie beschrieben – trägt dazu bei, das individuelle Risiko realistisch einzuschätzen.

Beeinflusst die PSMA Therapie das Knochenmark?

Die PSMA Therapie ist eine systemische Radioligandentherapie. Das bedeutet, dass sich der Wirkstoff über die Blutbahn im Körper verteilt. Neben den Tumorzellen kann dadurch in gewissem Umfang auch das Knochenmark beeinflusst werden.

Das Knochenmark ist für die Bildung von:

  • roten Blutkörperchen (Sauerstofftransport),
  • weißen Blutkörperchen (Immunsystem),
  • Blutplättchen (Blutgerinnung)

verantwortlich.

Unter der Therapie kann es vorübergehend zu einer Abnahme dieser Zellreihen kommen. In den meisten Fällen sind diese Veränderungen mild bis moderat und bilden sich zwischen den Therapiezyklen wieder zurück.

Aus diesem Grund erfolgen regelmäßige Laborkontrollen zwischen den einzelnen Behandlungen. So können mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden.

Ein erhöhtes Risiko für ausgeprägtere Knochenmarkveränderungen besteht vor allem bei:

  • stark fortgeschrittener Erkrankung mit hoher Tumorlast,
  • mehrfachen Vorbehandlungen (z. B. Chemotherapie),
  • bereits bestehenden Blutbildveränderungen.

Diese Faktoren werden im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie sorgfältig berücksichtigt.

Insgesamt gilt: Eine Beeinträchtigung des Knochenmarks ist möglich, wird jedoch strukturiert überwacht und individuell bewertet.

Strahlenbelastung und langfristige Risiken

Bei der PSMA Therapie wird ein radioaktiv markierter Wirkstoff eingesetzt, meist Lutetium-177. Dieses Isotop gibt sogenannte Beta-Strahlung ab, die eine sehr kurze Reichweite im Gewebe besitzt. Die Strahlung wirkt überwiegend dort, wo sich der Wirkstoff an PSMA-positive Tumorzellen gebunden hat.

Die Reichweite dieser Strahlung beträgt nur wenige Millimeter. Dadurch wird vor allem das unmittelbare Tumorgewebe erfasst, während weiter entferntes gesundes Gewebe weitgehend geschont bleibt.

Die im Körper verbleibende Radioaktivität nimmt kontinuierlich ab und wird größtenteils über die Nieren ausgeschieden. Eine dauerhafte oder langfristige Radioaktivität verbleibt nicht im Körper.

Langfristige schwere Strahlenschäden sind nach aktuellem wissenschaftlichem Stand selten. Dennoch wird die Therapie nur dann empfohlen, wenn der medizinische Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt.

Die Anwendung erfolgt unter strengen gesetzlichen Strahlenschutzvorgaben und standardisierten nuklearmedizinischen Protokollen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Exposition auf das medizinisch notwendige Maß begrenzt bleibt.

Wie häufig treten schwere Nebenwirkungen auf?

Schwere Nebenwirkungen unter einer PSMA Therapie sind insgesamt deutlich seltener als milde oder moderate Begleiterscheinungen, können jedoch auftreten.

In der VISION-Studie (Sartor et al., NEJM 2021), in der Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebsuntersucht wurden, traten Nebenwirkungen höheren Schweregrades (Grad 3 oder 4) bei einem Teil der behandelten Patienten auf. Am häufigsten betraf dies Veränderungen des Blutbildes.

Wichtig ist jedoch die Einordnung:

  • Schwere Komplikationen waren insgesamt nicht die Regel.
  • Die meisten Nebenwirkungen waren kontrollierbar.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen traten nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten auf.

Die Bewertung der Schwere erfolgt nach international standardisierten Kriterien (CTCAE-Klassifikation). Grad-3- oder Grad-4-Nebenwirkungen bedeuten nicht automatisch lebensbedrohliche Ereignisse, sondern beschreiben eine medizinisch relevante Ausprägung, die eine intensivere Überwachung oder Behandlung erfordern kann.

Entscheidend ist die engmaschige Kontrolle zwischen den Therapiezyklen. Durch regelmäßige Laboruntersuchungen und klinische Beurteilung können Veränderungen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Die individuelle Verträglichkeit hängt stark von Vorerkrankungen, dem Zustand des Knochenmarks und der Tumorlast ab. Diese Faktoren werden bereits im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie berücksichtigt.

Was passiert, wenn Nebenwirkungen auftreten?

Treten unter einer PSMA Therapie Nebenwirkungen auf, erfolgt eine individuelle medizinische Bewertung. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und die Therapie – wenn möglich – sicher fortzuführen.

Je nach Art und Ausprägung der Nebenwirkungen stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:

  • Anpassung des Therapieintervalls – Der Abstand zwischen den Zyklen kann verlängert werden, um dem Körper mehr Erholungszeit zu geben.
  • Dosisanpassung – In bestimmten Fällen kann die verabreichte Aktivität angepasst werden.
  • Unterstützende Medikamente – Beispielsweise bei Übelkeit oder ausgeprägter Müdigkeit.
  • Vorübergehende Therapiepause – Wenn Laborwerte oder der Allgemeinzustand dies erfordern.
  • Abbruch der Therapie – In seltenen Fällen, wenn das Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht mehr ausgewogen ist.

Die regelmäßigen Kontrollen zwischen den Therapiezyklen dienen genau dazu, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wichtig ist: Nebenwirkungen entwickeln sich in der Regel nicht plötzlich und unbemerkt. Durch strukturierte Überwachung können medizinische Anpassungen rechtzeitig erfolgen.

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen erfolgt immer individuell und in enger Abstimmung mit unserem erfahrenen Ärtzeteam.

Wer trägt ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen?

Die PSMA Therapie ist insgesamt gut steuerbar, dennoch gibt es Faktoren, die das Risiko für ausgeprägtere Nebenwirkungen erhöhen können.

Ein erhöhtes Risiko kann bestehen bei:

  • bereits vorgeschädigtem Knochenmark, etwa nach mehrfacher Chemotherapie,
  • ausgeprägter Tumorlast mit Beteiligung des Skeletts,
  • bestehenden Blutbildveränderungen vor Therapiebeginn,
  • eingeschränkter Nierenfunktion,
  • höherem Lebensalter in Kombination mit mehreren Begleiterkrankungen.

Diese Faktoren bedeuten nicht automatisch, dass eine Behandlung nicht möglich ist. Sie erfordern jedoch eine besonders sorgfältige Überwachung.

Durch regelmäßige Laborkontrollen und strukturierte Nachbeobachtung können mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt und entsprechend gesteuert werden.

Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung

Die Entscheidung für eine PSMA Therapie basiert nicht allein auf der möglichen Wirksamkeit, sondern immer auch auf einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiken.

Beim fortgeschrittenen Prostatakrebs steht häufig die Kontrolle der Erkrankung im Vordergrund. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten zu verlangsamen und Lebenszeit zu gewinnen. Gleichzeitig muss geprüft werden, ob mögliche Nebenwirkungen im individuellen Fall vertretbar sind.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • der allgemeine Gesundheitszustand,
  • der Zustand des Knochenmarks,
  • vorangegangene Therapien,
  • die aktuelle Tumorlast,
  • sowie die persönliche Belastbarkeit.

Die strukturierte Bewertung dieser Faktoren erfolgt im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie.

Häufige Fragen zu Nebenwirkungen der PSMA Therapie

Ist die PSMA Therapie gefährlich?

Die PSMA Therapie gilt insgesamt als gut steuerbare und gezielt wirkende Behandlung. Wie jede wirksame Therapie kann sie Nebenwirkungen verursachen. Schwere Komplikationen sind insgesamt selten und werden durch regelmäßige Kontrollen frühzeitig erkannt.

Fallen bei der PSMA Therapie die Haare aus?

Ein vollständiger Haarausfall, wie er bei manchen Chemotherapien vorkommt, ist unter der PSMA Therapie völlig atypisch. Die Behandlung wirkt gezielt an PSMA-exprimierenden Tumorzellen und greift nicht unspezifisch alle schnell wachsenden Zellen an.

Sind Nebenwirkungen dauerhaft?

Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend und bilden sich zwischen den Therapiezyklen zurück. Dauerhafte schwerwiegende Folgeschäden sind nach aktuellem wissenschaftlichem Stand extrem selten.

Muss ich mit einer starken Immunschwäche rechnen?

Die Therapie kann das Blutbild beeinflussen, insbesondere die roten Blutkörperchen. In den meisten Fällen sind diese Veränderungen mild bis moderat. Regelmäßige Laborkontrollen helfen, relevante Abweichungen frühzeitig zu erkennen.

Wie lange hält die Müdigkeit an?

Müdigkeit (Fatigue) kann nach einem Therapiezyklus auftreten und einige Tage bis Wochen anhalten. Die Ausprägung ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand und von Vorbehandlungen ab.

Können schwere Komplikationen auftreten?

Schwere Nebenwirkungen sind möglich, treten jedoch vergleichsweise selten auf. In klinischen Studien betrafen sie vor allem das Blutbild. Durch strukturierte Überwachung und individuelle Therapieanpassung kann das Risiko reduziert werden.

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Dr. Werner Langsteger sitzt mit einem Pateinten an einem Tisch, während sie medizinische Bilder einer PSMA-PET/CT-Therapie auf einem Bildschirm besprechen.