PSMA Therapie (Lutetium-177) – Radioligandentherapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs
Die PSMA Therapie ist eine moderne Behandlungsform für Männer mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakrebs. Sie wird eingesetzt, wenn sich die Erkrankung trotz Operation, Hormontherapie oder Chemotherapie weiterentwickelt hat.
Grundlage der Therapie ist ein besonderes Merkmal vieler Prostatakrebszellen: das sogenannte prostataspezifische Membranantigen (PSMA). Dieses Eiweiß befindet sich häufig in erhöhter Menge auf der Oberfläche der Tumorzellen. Die Behandlung nutzt genau dieses Merkmal.
Dabei wird ein radioaktiv markierter Wirkstoff – meist Lutetium-177 (¹⁷⁷Lu) – über die Blutbahn verabreicht. Er bindet gezielt an PSMA-positive Krebszellen. Die Strahlung wirkt direkt an der Tumorzelle und hat nur eine sehr kurze Reichweite im umliegenden Gewebe. Dadurch können auch Metastasen in Knochen oder Lymphknoten erreicht werden.
Voraussetzung für die Therapie ist der Nachweis einer ausreichenden PSMA-Ausprägung durch eine PSMA PET/CT. Nur wenn die Tumorzellen dieses Zielmerkmal tragen, ist die Behandlung sinnvoll.
Die PSMA Therapie wird heute in internationalen Leitlinien –unter anderem von der European Association of Urology (EAU) – als Behandlungsoption im fortgeschrittenen Stadium berücksichtigt. In der VISION-Studie (NEJM 2021) konnte gezeigt werden, dass bei geeigneten Patienten das mediane Gesamtüberleben verlängert wurde.
Wichtig ist eine klare Einordnung: Die PSMA Therapie ist im metastasierten Stadium nicht heilend. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebenszeit bei guter Lebensqualität zu verlängern. Ob sie im individuellen Fall infrage kommt, wird im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie sorgfältig geprüft.

Was ist die PSMA Radioligandentherapie?
Die PSMA Therapie gehört zur sogenannten Radioligandentherapie (RLT). Dabei wird ein gezielt wirkendes Molekül mit einer radioaktiven Substanz verbunden. Dieses Molekül bindet an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA), das auf vielen Tumorzellen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs stark ausgeprägt ist.
Zunächst wird mithilfe einer PSMA PET/CT überprüft, ob die Krebszellen ausreichend PSMA tragen. Diese Untersuchung macht sichtbar, wo sich aktive Tumorzellen im Körper befinden. Wenn die biologische Voraussetzung erfüllt ist, kann die Radioligandentherapie gezielt eingesetzt werden.
Der radioaktiv markierte Wirkstoff – meist Lutetium-177 – wird über eine Vene verabreicht. Er verteilt sich über die Blutbahn im gesamten Körper und bindet an PSMA-positive Tumorzellen. Dort setzt er Strahlung frei, die die Krebszellen schädigt.
Dieses enge Zusammenspiel von Diagnostik und Therapie wird als Theranostik bezeichnet. Das bedeutet: Zuerst wird die Zielstruktur sichtbar gemacht, anschließend wird genau diese Struktur therapeutisch genutzt.
Ob diese Therapie medizinisch sinnvoll ist, wird im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie strukturiert geprüft.
Wie wirkt Lutetium-177 auf Tumorzellen?
In der PSMA Therapie wird meist das radioaktive Isotop Lutetium-177 (¹⁷⁷Lu) eingesetzt. Es handelt sich um einen sogenannten Beta-Strahler. Das bedeutet: Es gibt eine Form von Strahlung ab, die nur eine sehr kurze Strecke im Gewebe zurücklegt.
Nachdem der Wirkstoff an eine PSMA-positive Tumorzelle gebunden hat, setzt er dort gezielt Strahlung frei. Diese Strahlung schädigt die Erbsubstanz (DNA) der Krebszelle. In der Folge kann sich die Zelle nicht mehr weiter teilen oder stirbt ab.
Die Reichweite der Strahlung liegt im Mittel bei ca 0,3 Millimetern. Dadurch wird vor allem die befallene Tumorzelle und ihre unmittelbare Umgebung erfasst. Weiter entferntes gesundes Gewebe wird weitgehend geschont. Dieses Prinzip unterscheidet die PSMA Therapie von einer äußeren Bestrahlung, bei der Strahlen von außen durch gesundes Gewebe hindurchgeführt werden.
Da sich der Wirkstoff über die Blutbahn verteilt, können auch mehrere Metastasen gleichzeitig erreicht werden – etwa im Knochen oder in Lymphknoten. Gerade bei metastasiertem Prostatakrebs ist dieser systemische Ansatz entscheidend.
Voraussetzung für diese gezielte Wirkung bleibt der vorherige Nachweis einer ausreichenden PSMA-Ausprägung durch eine PSMA PET/CT.
Für welche Patienten ist die PSMA Therapie gedacht?
Die PSMA Therapie ist eine Behandlungsoption für Männer mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakrebs. Sie wird in der Regel dann eingesetzt, wenn sich die Erkrankung trotz etablierter Therapien weiterentwickelt hat.
Typischerweise betrifft das Situationen, in denen:
- Metastasen vorliegen, zum Beispiel in Knochen oder Lymphknoten,
- eine Hormontherapie nicht mehr ausreichend wirkt,
- und häufig bereits weitere systemische Therapien erfolgt sind.
In dieser Krankheitsphase steht die Kontrolle der Erkrankung im Vordergrund. Die PSMA Therapie ist keine Erstlinientherapie im Frühstadium, sondern Teil einer strukturierten Behandlungsabfolge.
Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Tumorzellen ausreichend PSMA exprimieren. Dies wird durch eine PSMA PET/CT überprüft. Nur wenn diese biologische Grundlage gegeben ist, kann die Therapie gezielt wirken.
Die konkreten medizinischen Kriterien und die detaillierte Entscheidungslogik sind auf der Seite Indikation zur PSMA Therapie ausführlich dargestellt. Dort wird erläutert, welche Faktoren im Einzelfall berücksichtigt werden.

Wie wirksam ist die PSMA Therapie?
Die Wirksamkeit der PSMA Therapie wurde in mehreren internationalen Studien untersucht. Die wichtigste und bislang größte Untersuchung ist die sogenannte VISION-Studie, veröffentlicht im New England Journal of Medicine im Jahr 2021 (Sartor et al., NEJM 2021).
In dieser Phase-III-Studie erhielten Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs Lutetium-177-PSMA alleine oder zusätzlich zu einer etablierten Standardtherapie.
Die Ergebnisse zeigten:
- Das mediane Gesamtüberleben betrug 15,3 Monate in der PSMA-Therapie-Gruppe gegenüber 11,3 Monaten unter alleiniger Standardtherapie.
- Auch das radiologisch progressionsfreie Überleben war signifikant verlängert.
- Das Fortschreiten der Erkrankung konnte häufiger verzögert werden.
Diese Daten zeigen, dass die PSMA Therapie bei korrekt ausgewählten Patienten einen messbaren klinischen Nutzen haben kann. Sie ist damit keine experimentelle Behandlung, sondern eine wissenschaftlich sauber geprüfte Option im fortgeschrittenen Stadium.
Wichtig bleibt die realistische Einordnung:
Die Therapie ist nicht heilend, sondern dient der Kontrolle der Erkrankung und der Verlängerung der Lebenszeit bei guter Lebensqualität. Nicht jeder Patient spricht gleichermaßen auf die Behandlung an. Deshalb ist eine strukturierte Prüfung der Indikation zur PSMA Therapie entscheidend.
Weitere Studien – etwa die TheraP-Studie – bestätigen die Wirksamkeit der Lutetium-177-PSMA-Therapie bereits früher im Erkrankungsverlauf.
Vorteile der PSMA Therapie
Die PSMA Therapie bietet im fortgeschrittenen Stadium des Prostatakrebs mehrere wichtige Vorteile. Diese ergeben sich vor allem aus ihrem gezielten Wirkprinzip.
Gezielte Behandlung auf molekularer Ebene
Die Therapie nutzt eine spezifische Zielstruktur auf den Tumorzellen – das PSMA. Dadurch wird die Strahlung direkt an der Krebszelle freigesetzt. Im Gegensatz zu klassischen Chemotherapien werden nicht unspezifisch alle schnell wachsenden Zellen angegriffen, sondern gezielt jene Zellen, die PSMA tragen.
Systemische Wirkung bei Metastasen
Da sich der Wirkstoff über die Blutbahn verteilt, können auch verstreute Metastasen im Körper erreicht werden – etwa im Skelett oder in Lymphknoten. Das ist besonders relevant bei metastasierten Krankheitsverläufen, bei denen eine lokale Therapie allein nicht ausreicht.
Wissenschaftlich geprüfte Wirksamkeit
Die Wirksamkeit der PSMA Therapie wurde in großen klinischen Studien untersucht. Die VISION-Studie zeigte eine signifikante Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens bei geeigneten Patienten. Die Therapie basiert somit auf überprüfbaren wissenschaftlichen Daten.
Personalisierter Therapieansatz
Vor Beginn der Behandlung wird mittels PSMA PET/CT geprüft, ob die Tumorzellen ausreichend PSMA exprimieren. Dieses Vorgehen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Therapie gezielt wirken kann. Die detaillierte medizinische Bewertung erfolgt im Rahmen der Indikation zur PSMA Therapie.
Trotz dieser Vorteile bleibt eine sorgfältige individuelle Abwägung notwendig. Die Therapie ist nicht für jeden Patienten geeignet und ersetzt keine kurativen Verfahren im Frühstadium.

Grenzen der PSMA Therapie
So wirksam die PSMA Therapie im fortgeschrittenen Stadium sein kann, sie hat klare medizinische Grenzen.
Keine heilende Therapie im metastasierten Stadium
Bei metastasiertem Prostatakrebs ist die PSMA Therapie keine kurative Behandlung. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebenszeit zu verlängern. Eine vollständige Heilung ist in dieser Krankheitsphase in der Regel nicht möglich.
Nicht jeder Tumor ist geeignet
Damit die Therapie wirken kann, müssen die Tumorzellen ausreichend PSMA tragen. Ist die Ausprägung gering oder fehlen entsprechende Zielstrukturen, kann die Wirksamkeit eingeschränkt sein. Der Nachweis erfolgt vorab durch eine PSMA PET/CT .
Teil einer Therapiesequenz
Die PSMA Therapie wird üblicherweise nicht im frühen, lokal begrenzten Stadium eingesetzt. In frühen Krankheitsphasen stehen kurative Verfahren wie Operation oder Strahlentherapie im Vordergrund. Die Radioligandentherapie ist derzeit meist Bestandteil einer späteren Behandlungsphase.
Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung
Wie jede systemische Therapie kann auch die PSMA Therapie Nebenwirkungen verursachen. Eine strukturierte Einschätzung von Nutzen und Risiken ist daher notwendig. Eine ausführliche Darstellung möglicher Begleiterscheinungen findet sich unter Nebenwirkungen der PSMA Therapie.

Wie wird die PSMA Therapie durchgeführt?
Die PSMA Therapie wird in mehreren Behandlungszyklen durchgeführt. Ziel ist es, die Wirkung zu erzielen und gleichzeitig die Verträglichkeit regelmäßig zu überprüfen.
Verabreichung über eine Infusion
Der radioaktiv markierte Wirkstoff – meist Lutetium-177-PSMA – wird über eine Vene verabreicht. Die Infusion selbst dauert in der Regel nur wenige Minuten. Anschließend erfolgt eine kurze medizinische Überwachung.
Behandlung in mehreren Zyklen
Die Therapie wird üblicherweise in mehreren Sitzungen im Abstand von einigen Wochen durchgeführt. Zwischen den einzelnen Zyklen werden Blutwerte kontrolliert und das Ansprechen der Erkrankung beurteilt.
Kontrolle des Therapieerfolgs
Der Verlauf wird durch Laboruntersuchungen (z. B. PSA-Wert) sowie durch bildgebende Verfahren überwacht. Häufig wird eine PSMA PET/CT eingesetzt, um das Ansprechen objektiv zu beurteilen.
Die genaue Anzahl der Zyklen und der organisatorische Ablauf hängen von der individuellen Situation ab. Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Schritte findet sich unter Ablauf der PSMA Therapie.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Die PSMA Therapie wird insgesamt als gut verträglich beschrieben. Dennoch handelt es sich um eine wirksame systemische Behandlung, die Nebenwirkungen verursachen kann.
Zu den häufigeren Begleiterscheinungen gehören:
- Müdigkeit oder verminderte Belastbarkeit
- vorübergehende Veränderungen im Blutbild
- Mundtrockenheit
Da sich der Wirkstoff über die Blutbahn verteilt, kann auch das Knochenmark vorübergehend beeinflusst werden. Deshalb erfolgen zwischen den Therapiezyklen regelmäßige Laborkontrollen.
Die Ausprägung möglicher Nebenwirkungen ist individuell unterschiedlich. Sie hängt unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, der Tumorlast und den bereits erfolgten Vorbehandlungen ab.
Eine ausführliche und medizinisch strukturierte Darstellung möglicher Risiken findet sich unter Nebenwirkungen der PSMA Therapie.
Kosten und Kostenübernahme der PSMA Therapie
Die PSMA Therapie ist ein spezialisiertes nuklearmedizinisches Verfahren. Die Kosten setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, darunter die sorgfältige Vorbereitung und Auswahl, das Radiopharmazeutikum (Lutetium-177-PSMA), die engmaschige klinische Überwachung, ärztliche Leistungen sowie begleitende Kontrollen und Untersuchungen.
In Österreich erfolgt die Kostenübernahme häufig im Rahmen einer Einzelfallprüfung. Entscheidend ist, ob eine klare und leitliniengerechte Indikation zur PSMA Therapie vorliegt. Eine aktuelle PSMA PET/CT ist dabei in der Regel Bestandteil der medizinischen Beurteilung.
Bei Privatversicherten hängt die Übernahme vom individuellen Tarif ab. Für Selbstzahler oder internationale Patienten erfolgt üblicherweise eine transparente Kostendarstellung im Vorfeld.
Wichtig ist, dass die Kostenfrage immer auf Grundlage einer fundierten medizinischen Bewertung geklärt wird.
PSMA Therapie im Theranosticum Wien
Die Durchführung einer PSMA Therapie erfordert Erfahrung in der nuklearmedizinischen Radioligandentherapie sowie eine strukturierte medizinische Bewertung im Vorfeld. Entscheidend ist nicht nur die technische Durchführung der Infusion, sondern die sorgfältige Einordnung in den individuellen Krankheitsverlauf.
Im Theranosticum Wien erfolgt die Behandlung nach dem Prinzip der Theranostik:
Zunächst wird mithilfe einer PSMA PET/CT überprüft, ob die Tumorzellen ausreichend PSMA exprimieren. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob eine Therapie sinnvoll ist.
Vor jeder Behandlung steht eine strukturierte Prüfung der Indikation zur PSMA Therapie . Dabei werden unter anderem der bisherige Therapieverlauf, aktuelle Befunde und der allgemeine Gesundheitszustand berücksichtigt.
Die Therapie selbst wird nach standardisierten Protokollen durchgeführt. Zwischen den einzelnen Zyklen erfolgen regelmäßige Laborkontrollen und Verlaufseinschätzungen. Eine detaillierte Beschreibung des organisatorischen Ablaufs findet sich unter Ablauf der PSMA Therapie.
Ziel ist eine nachvollziehbare, evidenzbasierte Therapieplanung mit klarer medizinischer Einordnung.
Häufige Fragen zur PSMA Therapie (FAQ)
Ist die PSMA Therapie heilend?
Nein. Bei metastasiertem Prostatakrebs ist die PSMA Therapie nicht heilend. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebenszeit zu verlängern.
Wie lange wirkt die PSMA Therapie?
Die Wirkung ist individuell unterschiedlich. In klinischen Studien konnte das Fortschreiten der Erkrankung im Durchschnitt deutlich verzögert werden. Wie lange der Effekt anhält, hängt vom Krankheitsverlauf und von vorherigen Therapien ab.
Wie viele Therapiezyklen sind üblich?
In der Regel werden mehrere Zyklen im Abstand von einigen Wochen durchgeführt. Die genaue Anzahl richtet sich nach dem Therapieansprechen und der Verträglichkeit.
Wann zeigt sich ein Therapieerfolg?
Ein möglicher Therapieerfolg kann sich zunächst im PSA-Wert widerspiegeln. Eine verlässliche Beurteilung erfolgt jedoch durch bildgebende Untersuchungen, häufig mittels PSMA PET/CT.
Ist die PSMA Therapie eine Alternative zur Chemotherapie?
Die PSMA Therapie basiert auf einem anderen Wirkprinzip als eine Chemotherapie. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der individuellen Krankheitsphase und dem bisherigen Therapieverlauf ab.
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